Was können wir von Adenauer für unser heutiges Europa lernen?

Was können wir von Adenauer für unser heutiges Europa lernen?

Kooperationsveranstaltung mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Goethe-Institut anlässlich des 150. Geburtstags von Konrad Adenauer

Am 13.10.2026 veranstaltete die Landesvertretung gemeinsam mit dem Europabüro der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Goethe-Institut Brüssel eine hochrangig besetzte Diskussionsveranstaltung anlässlich des 150. Geburtstags Konrad Adenauers. Zu den Teilnehmenden zählten unter anderem der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, sowie Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei. Die Moderation übernahm die ehemalige ARD-Korrespondentin in Brüssel, Helga Schmidt.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie Adenauer mit seinen Ideen und Grundsätzen die Politik bis heute prägt. „Adenauer ist eigentlich ein Staatsmann des 21. Jahrhunderts“, betonte Jean-Claude Juncker. Damit verwies er auf den politischen Weitblick Adenauers und die fortdauernde Bedeutung seiner Grundsätze für zentrale europapolitische Fragen, die transatlantischen Beziehungen und die deutsch-französische Partnerschaft.

Wie Tim Geiger vom Institut für Zeitgeschichte München–Berlin erläuterte, war die europäische Einigung für Adenauer aus mehreren Gründen von zentraler Bedeutung: Sie diente der Westbindung der Bundesrepublik, der Überwindung des Nationalismus und der Wahrung deutscher Interessen. Als wesentlichen Erfolg seiner Politik würdigten die Diskutierenden insbesondere die Aussöhnung mit Frankreich. Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix von der Sorbonne Université in Paris betonte, dass Optimismus und gegenseitiges Vertrauen auch heute wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche deutsch-französische Zusammenarbeit seien.

Europäische Einigung mit Hindernissen

Die Diskussion verdeutlichte, dass der Weg zur Einigung Europas keineswegs geradlinig verlief, etwa als 1954 die französische Nationalversammlung die Ratifizierung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) ablehnte. „Europa war kein Selbstläufer. Die europäische Einigung entstand nicht aus Bequemlichkeit. Sie entstand aus Mut. Aus der Bereitschaft, über das politisch Vorstellbare hinauszudenken. Und aus dem Willen, trotz aller Unterschiede zusammenzuarbeiten“, erläuterte Julia Sattler, Leiterin des Goethe-Instituts Brüssel.

Neben Adenauers historischem Wirken standen aktuelle europapolitische Herausforderungen im Mittelpunkt, insbesondere das deutsch-französische Verhältnis und die europäische Verteidigungspolitik. Tim Geiger erläuterte, dass viele Ideen Adenauers Impulse für unser heutiges Europa geben können, auch wenn Geschichte keine fertigen Antworten für die Gegenwart liefere. 

Minister Liminski unterstrich die Bedeutung einer stärkeren europäischen Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung: „Konrad Adenauer wusste, dass der Westen zwei tragfähige Pfeiler braucht. Je geeinter Europa ist, desto verlässlicher sind auch die Vereinigten Staaten. Wenn es uns heute gelingt, Verteidigung als eigene Aufgabe zu begreifen, Fähigkeiten aufzubauen, gemeinsam zu planen und zu beschaffen, macht das Europa zu einem Partner, auf den man sich verlassen will, und der im Zweifel auch ohne Rückversicherung bestehen kann“.

Die Diskussionsteilnehmenden betonten übereinstimmend, dass die europäische Einigung keine Selbstverständlichkeit sei und angesichts aktueller politischer Herausforderungen immer wieder neu gesichert werden müsse. „Das europäische Erbe Adenauers zu bewahren, bedeutet für uns vor allem, Verantwortung für die Zukunft Europas zu übernehmen", schlussfolgerte Dr. Beatrice Gorawantschy, Leiterin des Europabüros der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Zum Abschluss warb Juncker für einen positiveren Diskurs über Europa. Trotz bestehender Verbesserungsbedarfe gelte es, die bisherigen Erfolge der europäischen Integration anzuerkennen. Europa habe viel erreicht und genieße auch international hohes Ansehen, so Juncker.